Forschungsprojekt

Kids-CT

Multimodale Bildgebung für ein modulares CT-Gerät zur Diagnostik bei Kindern.

Für Diagnostik und Therapieplanung kommen oft verschiedene bildgebende Verfahren zum Einsatz – CT, Ultraschall, Foto- und 3D-Kameras, Endoskopie. Sie räumlich zusammenzuführen, gehört zu den komplexesten Aufgaben der medizinischen Bildverarbeitung. Kids-CT verfolgt die Vision eines modularen, offenen Scanner-Systems mit beliebig austauschbaren Sensormodulen. Dornheim erforschte darin die multimodale Bildgebung: eine hardwarebasierte 3D-Registrierung, Visualisierung und Verarbeitung der Bilddaten – mit dem Ziel, den Informationsgehalt zu erhöhen und die Strahlendosis zu senken.

Kids-CT – 3D-Visualisierung eines modularen CT-Untersuchungsraums mit Time-of-Flight-Kamera zur räumlichen Verortung der Sensormodule
Multimodale Bildgebung für ein modulares CT-System Teilvorhaben: Multimodalität mit hardwarebasierter 3D-Registrierung Laufzeit: 10/2017 – 03/2021 © Foto: Dornheim Medical Images

im Verbund mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie in Magdeburg

Ein modulares, offenes CT-System mit beliebig austauschbaren Sensormodulen

Kommerziell verfügbare CT-Scanner bieten kaum die Möglichkeit, sie mit zusätzlichen Komponenten zu erweitern oder eigene Sensorik anzubinden – entsprechende Forschungs- und Entwicklungsvorhaben werden dadurch deutlich gehemmt. Das Gesamtvorhaben Kids-CT verfolgte deshalb die Vision eines einzigartigen, modularen medizinischen Scanner-Systems, das sich durch verschiedene, beliebig austauschbare Sensormodule zur Bildaufnahme auszeichnet – mit einem CT-Gerät als Basismodul und offenen Hardware- und Softwareschnittstellen.

Der Schwerpunkt des von Dornheim bearbeiteten Teilvorhabens lag auf der Multimodalität: dem Ziel, einen höheren Informationsgehalt aus räumlich verorteten medizinischen Bildaufnahmen (CT, Ultraschall, Fotos u. a.) für Diagnose und Therapie zu gewinnen. Darüber hinaus lassen sich Scanvorgang und Bildrekonstruktion so zielgerichtet optimieren, um Strahlung und Dauer der Untersuchung weiter zu minimieren – gerade bei Kindern ein entscheidender Vorteil.

Multimodalität und räumliche Verortung

Um die verschiedenen Aufnahmen zusammenzuführen, ohne die Sensoren dauerhaft fest mit dem CT zu verbauen, setzt der Ansatz auf ein optisches Trackingsystem: Über eine markerbasierte Erkennung werden 3D-Position und Orientierung der Sensormodule und des Patienten verfolgt. Eine über dem CT-Tisch installierte Time-of-Flight-Kamera bildet dabei das Zentrum des Koordinatensystems, in das weitere – auch frei bewegliche – Geräte überführt werden. Ergänzend haben sich QR-Codes und vor allem Bluetooth-Beacons als effektiv erwiesen, um Geräte im Untersuchungsraum auch bei optischer Verdeckung zuverlässig zu erkennen und zu identifizieren.

Für die Steuerung und Einbindung der Sensorik wurde eine webbasierte, adaptive Bedienoberfläche erarbeitet. Über eine Konfigurationsdatei werden die verfügbaren Parameter eines Gerätes automatisch in die Weboberfläche eingebettet; eine Template-Funktion erlaubt die Vorkonfiguration durch administrative Anwender. Technisch setzt das Konzept auf offene Standards (ROS) und eine containerisierte Infrastruktur (Docker), bei der Weboberfläche und Geräteanbindung über das WebSocket-Protokoll bidirektional kommunizieren – so lässt sich das System flexibel auf andere Geräte und Schnittstellen übertragen.

Anwendungsfall Wundversorgung

Als exemplarischer Anwendungsfall wurde die Wundversorgung gewählt – ein komplexes, intersektoral und interdisziplinär geprägtes Gebiet, bei dem verschiedenste Aufnahmegeräte zum Einsatz kommen. Neue mobile Geräte mit integrierter 3D-Kameratechnik (iPhone Pro, iPad Pro) eröffneten dabei die Möglichkeit, 3D-Scans etwa von Wunden direkt mit einem handlichen Gerät zu erfassen. In prototypischen Apps wurden Interaktionskonzepte für Touchoberflächen entwickelt, mit denen sich Strukturen markieren und daraus maßstabsgetreu Flächen und Ausmaße berechnen lassen – hilfreich für Behandlung und Dokumentation.

Darüber hinaus wurden mobile, WLAN-fähige Ultraschallsonden sowie eine Hyperspektralkamera eingebunden und deren Aufnahmen mit 3D-Scans fusioniert. Über das cloudbasierte System können mehrere Anwender die Ergebnisse ortsübergreifend gemeinsam betrachten und besprechen – ein wichtiger Baustein für telemedizinische und interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Beiträge von Dornheim Medical Images

Auf Basis des über viele Jahre gereiften Dornheim Segmenter® brachte Dornheim seine Expertise in Bildanalyse, 3D-Rekonstruktion und Visualisierung in das Verbundprojekt ein. Erarbeitet wurden unter anderem Verfahren zur räumlichen Verortung und Kalibrierung der Sensormodule, zur 3D-Oberflächenrekonstruktion, zur multimodalen Visualisierung überlagerter Volumendaten sowie Cloud-Konzepte für die rechenintensive Bildverarbeitung und zentrale Datenverwaltung. Wissenschaftlich und technisch konnte das Teilvorhaben erfolgreich abgeschlossen werden.

Einblicke in das Projekt

Konzept eines gesamtheitlichen Systems mit der Dornheim.Cloud als zentrale, ortsübergreifende Schnittstelle für verschiedene Sensormodule
Gesamtheitliches System mit der Dornheim.Cloud als zentrale Schnittstelle für verschiedene Sensormodule.
Software-Assistent zur Kalibrierung und räumlichen Verortung der externen Modalitäten über das Trackingsystem
Assistent zur Kalibrierung und räumlichen Verortung der Sensormodule über das Trackingsystem.
Klinische Testaufnahmen: Fusion von Hyperspektralkamera und 3D-Scan einer Time-of-Flight-Kamera
Klinische Testaufnahmen: Fusion von Hyperspektralkamera und 3D-Scan (Time-of-Flight-Kamera).

Wissenschaftliche Veröffentlichungen

Die im Projekt erzielten Ergebnisse wurden gemeinsam mit den Projektpartnern im Rahmen von Statustreffen sowie im Rahmen von STIMULATE-Sitzungen vorgestellt. Ausgewählte Themen des Teilvorhabens wurden zudem in Form einer Bachelorarbeit aufbereitet.

Was aus dem Projekt entstanden ist

Aus den Forschungsergebnissen entwickelte Dornheim mehrere verwertbare Bausteine weiter: eine 3D-Scanner-App mit zugehörigem Aufnahmeadapter für iPhone und iPad inklusive Messfunktionen zur Bildauswertung, eine App zur Visualisierung medizinischer Bilddaten sowie zugehörige Spezialmodule für die Dornheim.Cloud. So entsteht ein ganzheitlich unterstützendes System aus zusammenspielenden Komponenten – von der Bildaufnahme über die Verortung und multimodale Visualisierung bis zur Dokumentation. Insbesondere für die Wundversorgung und die ästhetische Chirurgie erwies sich der Markt als attraktiv; auf dieser Grundlage wurden Pilotprojekte vorbereitet.

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Das Vorhaben „Modulares CT-Gerät zur Diagnostik bei Kindern (Kids-CT)“ wurde im Rahmenprogramm Gesundheitsforschung der Bundesregierung durch das BMBF gefördert. Dornheim bearbeitete das Teilvorhaben „Multimodale Bildgebung mit einem hardware-basierten Ansatz zur 3D-Registrierung, Visualisierung und Verarbeitung klinischer Bilddaten von beliebig austauschbaren Bildsensormodulen“ (Förderkennzeichen: 13GW0229B).